Trump im Amt

von David Cay Johnston

Kommentare: 0

David Cay Boyle Johnston wurde 1948 in San Francisco geboren, arbeitete als investigativer Journalist für die Los Angeles Times und die New York Times und gewann sogar 2001 den Pulitzer-Preis für Beat Reporting.

2016 veröffentlichte er "The Making of Donald Trump", an dem er den Präsidentschaftskandidaten stark kritisierte, zwei Jahre veröffentlichte er einen ersten Lagebericht nach der einjährigen Amtszeit des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten.

"Wenn Trump von Putin spricht, dann klingt das, als würde ein Handlager der Mafia, der nicht weiß, dass er abgehört wird, von seinem Paten sprechen."

In acht Kapiteln nimmt er die Person Donald Trump und dessen Regierungsstil auseinander, er erzählt von Kleptokratie, legt die Einkünfte des Präsidenten offen und versucht seine Steuererklärung zu fassen. Es geht um falsche Versprechungen, international verwerfliche Verstrickungen, mangelnde Einarbeitung in wichtigen Themen und die Kürzung verschiedener Ministerien. Und natürlich geht es um die Einwanderung und Trumps Mauer.

„Aus diesen und vielen anderen Gründen ist Trump, wie Sie auf den folgenden Seiten lesen werden, nicht nur im klassischen Sinne des Wortes ein Idiot.“

Das vermeintliche Sachbuch bzw. Biographie bzw. Enthüllungsartikel ist der Albtraum eines jeden Dozierenden. Es ist ein Paradebeispiel, wie man Seminararbeiten nicht schreiben sollte. Polemisch wettert Johnston gegen eine Person, die man nicht mögen muss und vielleicht auch nicht mögen kann, die aber trotzdem differentiell zu betrachten ist und deren Politik in einem guten Artikel nicht reißerisch auf das Kleid seiner Frau zurückzuführen ist. Zu wenig ausgearbeitete Thesen werden mit Beispielen überfrachtet, welche die Thesen nur in seltenen Fällen ausreichend stützen. Fast ohne jegliche Quellen - falls man die Verweise auf sein eigenes Werk ausklammert - arbeitet ohne Stringenz sich an diversen Verfehlungen Trumps wirr ab.

Zu allem Überfluss ist die Klebebindung des Buches auch noch eine Katastrophe.

"Schon im mittlerem Alter war Trump so selbstbezogen und substanzlos wie heute. Damals konnte er allerdings noch ganze Sätze bilden."

Über Trump gibt es viel zu lesen und um ihn und die Gefahr, welche von ihm ausgeht besser einschätzen zu können, empfiehlt es sich sicherlich eine der zahlreichen Publikationen dieses Jahres zu betrachten, aber Johnstons Selbstbeweihräucherung kann man getrost beiseitelegen. Es sind gute fünf bis sechs Stunden an zäher Lektüre, die man deutlich besser verbringen könnte. Und wieso Johnston einen Pulitzerpreis gewonnen hat, wenn er fast fünfhundert Seiten solchen Müll produzieren kann, sei in den Raum gestellt.

Dennoch danke ich dem ecowin-Verlag für das Leseexemplar.

Was ist die Summe aus 4 und 8?
Zurück

Informationen

It's even worse than you think: What the Trump Administration is doing to America
Erscheinungsjahr:
2018
Ausgabe: Ecowin, 2018
ISBN: 978-3-711-00160-3
Seiten: 423
Übersetzung: Regina Berger, Robert Poth und Annemarie Pumpernig
Sterne: 1/5