The Rules do not Apply

von Ariel Levy

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Vor zwei Jahren war ich auf einer fabelhaften dreier erschreckend starken und faszinierenden jungen Damen. Alle drei waren jüdischer Herkunft und fühlten sich in der englischen Sprache wohler als in der deutschen. Neben Elena Lappin, der Schwester von dem bekannten Skandalliteraten Maxim Biller und der ehemaligen Chassidin Deborah Feldmann, saß eine zierliche junge Dame, die auch in ihrer späten Teenagerzeit hätte sein können auf dem Podium. Unbeschwert plauderte und lachte sie und faszinierte mich auf den ersten Blick. Als ich erfuhr, dass sie bereits in ihren 40ern ist, war ich von der, mir bis dato unbekannten Ariel Levy vollends verzaubert.

1974 geboren, arbeitet Levy seit mehr als zwanzig Jahren als Journalistin und Essayistin unter anderem für den New Yorker. An diesem zauberhaften Abend, stellte sie ihr damals frisch erschienenes autobiographisches Buch „The Rules do not apply“ vor.

“Do you ever talk to yourself? I do it all the time.”

In diesem erzählt sie von ihrem Aufwachsen zwischen zwei Freigeistern, deren Ehe ein fragiles Objekt war und neben Freiheitsliebe ihr auch Unsicherheit und Angst mitgaben. Von ihrer jüdischen Identität, die tief verankert ist, auch wenn sie nicht religiös ist. Ihrer sexuellen Befreiung bei der sie feststellte, dass sie beide Geschlechter liebt und ein Outing nicht immer einem Paukenschlag gleich kommen muss. Sie berichtet von ihren Anfängen als Journalistin in dem harten Minenfeld New York, die nur allzu deutlich den Einfluss alter, weißer Männer auf dem Karriereweg junger Frauen zeigt.

 

“There were shadows I saw out of the corner of my eye that looked like problems waiting to become real, but you never know with shadows.”

Doch dann kommt es zu einem Schnitt, denn diese – an eine humorvolle und ehrliche Version von Sex and the City erinnernde – Unbeschwertheit, herrscht nicht auf Dauer vor. Ihre puderzuckerrosafarbene Ehe mit einer älteren Frau, zeigt ihre Schattenseiten. Levy berichtet von den Schwierigkeiten der monogamen Beziehung, in der ein* Partner* nicht alles geben kann, nachdem sich Menschen sehnen. Von der Alkoholsucht ihrer Partnerin, welche die Beziehung mehr und mehr belastet und ihrer Fehlgeburt, die ihr weiteres Leben prägte und nie los lassen wird.

“You have an affair to get for yourself what you wish would come from the person you love the most.”

Levys journalistische Arbeiten sind stark geprägt von feministischen Themen, von Genderrollen, Drogenmiss- und Gebracht, der amerikanischen Gesellschaft, lesbischen und queeren Themen und der amerikanischen Popkultur. All diese Einflüsse finden sich auch in ihrem biographischen Roman wieder, in dem sie mit viel Humor und einem intimen Blick auf sich, ihr Seelenleben und der Welt sich ihrer nicht immer leichten Biographie annähert. Mit unglaublicher Stärke und ungeschönt zeigt sie, dass man alle Hindernisse überwinden kann und doch gestärkt heraus gehen kann, wenn man nur den Kampfeswillen nicht verliert.

“Writing is communicating with an unknown intimate who I always available, the way the faithful can turn to God.”

Manchmal ist Levys Erzählung kaum zu ertragen. Man möchte sie schütteln, man möchte eingreifen, sie und ihre Umwelt vor ach so viel Leid bewahren, doch kann es nicht. „The Rules do not apply“ lebt und atmet von Levys eindrucksvoller Persönlichkeit. Es erzählt die Geschichte einer starken Frau und ist dabei auch noch unglaublich unterhaltsam und vergnüglich und doch hallt es noch Tage, ja Wochen nach.

Für mich war Ariel Levy eine unglaubliche Entdeckung.

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Informationen

Erscheinungsjahr: 2017
Ausgabe: Random House, 2018
ISBN: 978-0-812-98667-9
Seiten: 216
Sterne: 5/5