Stage Dive - Kein Rockstar für eine Nacht

von Kylie Scott

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Kopf-Frei-Lektüre. Zwischendurch habe ich manchmal einfach das Bedürfnis nach Kopf-Frei-Lektüre. Besonders eigenen sich dafür natürlich Schundromane, allerdings können auch Comics, Kinderbücher und Kriminalromane Kopf-Frei-Macher sein. Es sind aber immer Bücher, die nicht lange nachwirken, die (wundervolle), gemütliche Lesestunden bescheren und danach höchstens etwas Belustigung oder eine gesättigte Zufriedenheit hinterlassen. Gerade wenn das wirkliche Leben stressig ist, gibt es deswegen bei mir Kopf-Frei-Lektüre. Diesen Monat versteckte sich darunter die Stage-Dive-Reihe von Kylie Scott.

Die Australierin schreibt unanspruchsvolle Romanzen mit mittelmäßigen Sexszenen. Dafür bekam sie bereits dreimal den Australian Romance Writer Award verliehen und etablierte ihre Bücher in elf Sprachen und zahlreichen Bestsellerlisten. Ihre Stage-Dive-Reihe über die fiktive Rockband „Stage Dive“ umfasst vier Romane und bisher zwei Kurzgeschichten. Unter dem zweideutigen Titel „Lick“ erschien der erste Band 2013. Ein Jahr später erschien die deutsche Übersetzung beim deutschen LYX-Verlag, der berüchtigt für seine Nackenbeißerromane ist.

"Er passte sehr gut zu den Reichen und Schönen im Haus. Er war einer von ihnen. Ich dagegen gehörte in die Küche zum Personal."

Die aus Portland stammende Evelyn Thomas hat ihr Leben fest geplant, nach einem erfolgreich beendeten Architekturstudium, einem guten Job, sollen eine Hochzeit und 2,4 Kinder folgen. Stattdessen heiratet sie mit einundzwanzig betrunken in Las Vegas. Erst nach ihrer überstürzten Flucht aus den armen des unbekannten nackten Mannes zurück nach Portland stellt sie fest, dass sie neben einem Tattoo auf den Hintern auch plötzlich Ehefrau eines Rockstars ist. Eines Rockstars der ziemlich sauer auf sie ist und verdammt unhöflich, aber an dessen breite tätowierte Brust sie dennoch gerne sinken mag. Um dem Trubel zu entgehen und die Scheidung in Ruhe vor zu bereiten, zieht sich das junge Ehepaar ans Meer zurück und dort stellt sich das Dilemma ob eine Scheidung wirklich die einzige Lösung ist. Aber kann eine solch spontane Liebe aus zwei Welten überhaupt funktionieren?  

"Der harte Boden war unbequem, aber wenn man vor jemanden in die Knie ging, gehörte etwas Unbequemlichkeit wohl dazu."

Kylie Scott zeigt, dass sie alle Stereotypen verstanden hat und mit ihnen umgehen kann. Die mollige, sich selbst heruntermachenden Protagonistin, die sympathisch wäre, wenn sie sich nicht selbst so hassen würde, der klassische Bad Boy, der sich jedoch sofort ändert und zum liebevollen Partner wird, der amüsante beste Freund, der für den zweiten Band bereits eingeführt wird, die zickige Widersacherin, die das Paar bedroht und die schwierigen Familienverhältnisse, die die Protagonisten nachhaltig traumatisiert haben und natürlich die böse Außenwelt, die auch nur das Paar auseinander bringen möchte. Allen Widrigkeiten zum Trotz, kann jedoch einmaliger Sex die unerfahrene Protagonistin sofort aus ihrer schüchternen Schale herausholen und zur Sexbombe macht, die den Schwerenöter mit dem großen Gemächt nicht nur Liebe, sondern auch die wahre Essenz von Sex näher bringt.

"Sex war ganz schön schmutzig. Doch die Liebe war bei weitem schlimmer.“

Sprachlich durch gruselige Dialoge und SMS-Konversationen beeinträchtigt, erzählt Scott eine klassische Geschichte ohne große Überraschungen. Ich kann soviel verraten: Ein schnelles Happy-End ist vorprogrammiert und logische Details sind überbewertet. Aber – unterhaltsam ist es auf jeden Fall und die Sexszenen sind ertragbar – kein Schmuckkästchen und keine brennenden Lenden.

Bitte rechnen Sie 2 plus 8.
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Informationen

Lick
Erscheinungsjahr:
2013
Ausgabe: LYX, 2014
ISBN: 978-3-802-59503-5
Seiten: 350
Übersetzung: Katrin Reichhardt
Sterne: 1/5