Rebecca

von Daphne Du Maurier

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Bücher nochmal zu lesen stößt meistens auf geteilte Lager. Einerseits reicht die Lesezeit bereits kaum für all die neuen Bücher, andererseits findet man in bereits bekannten Büchern Trost und kann immer wieder neue Sachen entdecken. Insofern bin ich eine große Anhängerin des Wiederentdeckens. Gerade bei Klassikern kommen immer wieder neue Facetten zum Vorschein.

 

Die Britin Daphne Du Maurier wurde 1907 in London geboren, wo sie mit ihren Schwestern aufwuchs und Privatunterricht erhielt. Durch ihre spätere finanzielle Unabhängigkeit widmete sie sich dem Segeln, Reisen und Schreiben. 1931 veröffentlichte er seinen ersten Roman „Der Geist von Plyn“. Durch diesen lernte sie auch ihren Ehemann kennen mit dem sie drei Kinder hatte. Ihr bekanntester Roman „Rebecca“ erschien 1938 und wurde 1940 von Alfred Hitchcock verfilmt, der auch ihre Kurzgeschichte „Die Vögel“ verfilmte. Von Elizabeth II wurde sie als Dame geadelt. Trotz ihres finanziellen Erfolges und ihrer Bekanntheit erfährt sie bis heute wenig literarische Anerkennung.


„Wir alle haben unseren ganz speziellen Teufel, der uns drangsaliert und quält, und am Ende müssen wir uns diesem Kampf stellen.“

„Rebecca“ schildert die Geschichte einer jungen, mittellosen Frau, die den wohlhabenden, verwitweten Aristokraten Maxim de Winter heiratet. Zusammen ziehen sie auf seinen Landsitz Manderley in England. Während sie die reiche und wilde Natur genießt, leidet sie unter der stetigen Präsenz von Maxims Exfrau. Der Geist Rebeccas scheint alles zu durchdringen und stößt die frische Miss de Winter in den Hintergrund. Die Bediensteten Manderleys scheinen sich gegen sie verschwört zu haben, die Freunde Maxims sie zu verachten und dieser sich immer mehr zu distanzieren. Der geheimnisvolle Tod Rebeccas trägt zu ihrem Mythos bei und Manderley wird immer mehr zum beklemmenden Albtraum.

„Diese Vorstellung ließ mich frösteln; wie dicht mein Glück und das, was hätte sein können, beieinanderlagen.“

In vielen Elemente erinnert „Rebecca“ an Brontes „Jane Eyre“. Ein byronischer, grübelnder Held, eine distanzierte Beziehung, ein gehütetes Familiengeheimnis, die Spiegelung der Gefühle im Wetter und ein alter britischer Landsitz. Auch wenn Du Maurier lange nach der klassischen Gothic Literature schrieb, erkennt man die Beeinflussung durch die britische, weibliche Schauerliteratur deutlich. Die eigentliche Coming-of-Age-Geschichte ist psychologisch aufgeladen und erkundet das Wesen und den Geist der Protagonistin aus allen Winkeln, während die anderen Figuren durch den subjektiven Blick schablonenartig wirken.

„Ich wunderte mich, dass ich so glücklich sein konnte, obwohl die kleine Welt um uns herum so schwarz war.“

„Rebecca“ besticht durch die detaillierten und treffenden Landschaftsbeschreibungen und die wunderbare Darstellung der bedrückenden Stimmung. Während der Roman an vielen Stellen spannend und packend ist, hat er an anderen Stellen deutliche Längen. Durch seine bronteschen Elemente und die Anlehnung an die schwarze Romantik, ist an vielen Stellen ein intertextuelles Augenzwinkern beabsichtigt. Dadurch ist der Lesegenuss auch beim zweiten Lesen nicht geschmälert, sondern wird durch neue Details gesteigert.
Zwar wird „Rebecca“ nicht mein neues Lieblingsbuch, doch eine erneute Lektüre in ein paar Jahren, möchte ich nicht ausschließen.

Bitte addieren Sie 2 und 4.
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Informationen

Erscheinungsjahr: 1938
Ausgabe: Insel, 2016
ISBN: 978-3-458-36134-3
Seiten: 525
Übersetzung: Brigitte Heinrich und Christel Dormagen
Sterne: 4/5