Flavia De Luce - Mord im Gurkenbeet

von Alan Bradley

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Als ich 2009 ein Praktikum in einer kleinen Buchhandlung machte, war mir noch nicht klar, dass ich fast sechs Jahre später wieder dort landen würde – geschweige denn zehn ja später immer noch den Großteil meiner Woche dort verbringen würde. Beim Praktikumsende bekam ich neben einem Gutschein auch mein erstes Leseexemplar – Alan Bradleys druckfrischer Serienauftakt der Kriminalromanreihe um Flavia de Luce. Zwar ging dieses Exemplar bei einem Umzug verloren, doch es wurde durch das Taschenbuch und die nachfolgenden Bände ersetzt. Trotz einem Wechsel bei der Covergestaltung sind die neun Bände selbst in der Taschenbuchausgabe echte Schmuckstücke.

Als spätes Kind der 30er-Jahre wuchs Alan Bradley in Ontario auf, und arbeitete über vierzig Jahre als Elektrotechniker für Fernseh- und Radiostationen, sowie als Direktor für Fernsehtechnik am Zentrum für Neue Medien in Saskatchewan in Saskatoon. Erst sehr spät begann er mit dem Schreiben und zog mit seiner Frau ins warme Malta. 2009 veröffentlichte er den ersten Band der Kriminalreihe um die hochbegabte 10-jährige Flavia De Luce. Alleine für das erste Kapitel erhielt er im gleichen Jahr den Dagger-Award, eine der renommiertesten Auszeichnungen für Kriminalliteratur.

 

"Typisch. Ob Geburt oder Todesfall – stets wird die einzige anwesende Frau losgeschickt, um den Kessel aufzusetzen."

Im Großbritannien der 50er Jahre verarmt die einst so vornehme Familie De Luce zunehmend, nach dem Tod der Mutter flüchtete sich der Colonel in seine Briefmarkensammlung und überließ seine drei Töchter zunehmend sich selbst, sowie dem alten, vom Krieg gezeichneten Faktotum Dogger und der schrulligen Haushälterin Mrs. Mullet. Ophelia, Daphne und Flavia stürzen sich neben geschwisterlichen Quälereien in Fantasiewelten – ob Schwärmereien für Bauernbuschen, die Weltliteratur oder die geheime Welt der Naturwissenschaft.

"Ich merkte sofort, dass sie mich nicht leiden konnte. Das ist nämlich ein weiblicher Urinstinkt, dass ein Mädchen sofort merkt, ob ein anderes Mädchen es leiden kann oder nicht."

Als begeisterte Chemikerin ist Flavia nicht sonderlich erschüttert, als sie einen fremden Mann in ihrem Gurkenbeet sterben sieht – viel mehr interessiert sie der chemische Prozess des Sterbens und der leichte Geruch der im letzten Wort des Toten mitschwingt – ein Geruch nach Mord und potentieller Vergiftung. Da sich der Verdacht verhärtet, dass dem Colonel der Mann weder unbekannt war, noch dass die beiden ein Geheimnis teilten, stürzt sich Flavia sehr zum Entsetzen des ortsansässigen Inspektors in die Ermittlungen. Gewitzt, klug und unerschrocken deckt sie in bester Sherlock-Holmes-Manier mehr als nur diesen Mord auf.

"Ich muss zugeben, ich habe ein gewisses Faible für Zyankali – es wirkt nun mal am allerschnellsten. Wenn Gifte Pferde wären, würde ich immer auf Zyankali setzen."

Bradley bevölkert die Welt der De Luces, mit herrlich skurrilen Charakteren im Dorf, literarischen und kulturhistorischen Hintergründen, gesellschaftlichen Kolorit und hervorragendem, schwarzem Humor. Zu Unrecht wird Flavia immer wieder in das Regal der Jugendliteratur verbannt – vielleicht erfolgte der Coverwechsel ab Band Fünf, aus diesem Dilemma. Flavia beweist eindrucksvoll, dass  Mädchen alles können. Und wenn es um die Geheimnisse der Naturwissenschaften geht, Gifte der Schlüssel zu allem sind.

Bitte addieren Sie 6 und 9.
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Informationen

The Sweetness at the Bottom of the Pie
Erscheinungsjahr:
2009
Ausgabe: Blanvalet, 2010
ISBN: 978-3-442-37624-7
Seiten: 383
Übersetzung: Gerald Jung und Katharina Orgaß
Sterne: 5/5