Flavia De Luce - Band Vier Bis Sechs

von Alan Bradley

Kommentare: 0

Im Laufe der ersten Februarhälfte habe ich drei weitere Bände der Flavia De Luce-Kriminalreihe verschlungen.

 

"Große Schwestern sind auf der ganzen Welt gleich: Die halbe Tasse ist voller Liebe und die andere Hälfte voller Verachtung."

Die finanzielle Situation der De Luces verschärft sich und so muss das geliebte Buckshaw an eine Filmcrew vermietet werden, um die Schuldner ein paar Monate fern zu halten – und das auch noch zur Weihnachten. Doch als angekündigt wird, dass die große Filmdiva Phillys Wyvern nach Buckshaw kommt ist Bishop’s Lacy und selbst Flavia aus dem Häuschen. Bei einer Vorstellung vor dem versammelten Dorf, taucht nicht nur überraschend ein Schneesturm, sondern auch eine Leiche auf – und Bishop Lacy inklusive des Mörders ist auf dem ehrwürdigen Herrenhaus gefangen. Flavia wäre nicht Flavia, wenn sie diese Gelegenheit nicht nützen würde.

Zwischen Filmdiven, finanziellen Sorgen und den vielfältigen Dorfbewohnern findet Flavia kaum Zeit für ihre geliebte Chemie, die dadurch etwas zu kurz kommt, doch Flavia schlägt sich wacker durch den Dschungel an Verwicklungen, die wie so oft im zweiten Weltkrieg zu münden scheinen. Bradley ist auch mit diesem Band ein guter Wurf gelungen, auch wenn er etwas hinter anderen Bänden zurückbleibt, was an dem begrenzten Handlungsraum liegen könnte.

"Warum zitieren die Leute immer Hamlet, wenn sie besonders schlau wirken wollen?"

Selbst der heilige Grund einer Kirche ist vor Flavia nicht sicher. Als der Ortsheilige Sankt Tankred zu seinem 500-jährigen Jubiläum ausgegraben wird, steht sie in erster Reihe und entdeckt so statt der alten Gebeine eine erstaunlich frische Leiche. Es scheint, als wäre Flavia nicht die Einzige, die sich nachts auf Kirchengrund herum treibt. Doch als die Zahl dieser Personen unübersichtlich zu werden scheint, bekommt Flavia unverhoffte Verstärkung von zwei Hobbydetektiven. Und mit viel Dorfklatsch, der üblichen Prise Chemie und Dreistigkeit und ihrer brillanten Auffassungsgabe kommt sie hinter Geheimnisse, die ihre Familie ebenso betreffen.

Wie Flavia zu Beginn des Bandes resümiert, steht sie vor ihrer fünften Leiche und lässt an ungewöhnlichen Charme nicht nach. Bradley eröffnet mit jedem Band einen tieferen Blick in die Familie De Luce und ihrer jüngsten Namensträgerin und belohnt treue Leser* mit einem vielschichtigen Panorama der Protagonisten*. Mit Holmischen-Verwicklungen schafft er einen absurden Mordfall, der die Spannung bis zum Ende hält.

"Wenn die Natur gewollt hätte, dass wir knallrote Fingerspitzen haben, hätte sie uns mit dem Blut auf der Haut erschaffen."

Die Nachricht zerreißt die ländliche Stille mit einem Paukenschlag: Harriet de Luce ist aufgetaucht und kehrt heim. Leider tiefgefroren, doch Flavia hat schon eine Idee wie man ihre Mutter so auftauen kann, dass sie sich lebendig vom kargen Lager wieder erhebt. Ein unbekannter Toter mit einer Geheimbotschaft, der Ex-Premierminister mit einer mysteriösen Frage, unbekannte Familienmitglieder und ein verschollenes Testament locken Flavia allerdings erstaunlich schnell in tiefe Gewässer in denen Spionagenetzwerke der britischen Regierung eine große Rolle spielen. Und schnell wird klar, dass die De Luces eine gespaltene Familie sind und auf verschiedenen Seiten kämpfen: doch wer sind die Guten? Und warum ist Flavias Rolle in der Familie eine so besondere?

Vielleicht etwas zu viel gewollt, verstrickt sich Bradley in dem neuen Abenteuer Flavias in die Stolperfallen der Geheimdienste – ob das unbedingt geglückt ist, kann man streiten. Er reißt vieles nur an, was er vermutlich in den nächsten Bänden noch ausschlachten möchte, was den Lesefluss allerdings etwas behindert. Dennoch macht Flavia immer Spaß und begeistert durch ihren Witz, den skurrilen Charakteren und der Liebe zum Detail. Der sechste Band selbst etwas unausgegoren eröffnet am Ende des Bandes das Fenster nach Kanada und so eine neue Zukunft für Flavia und neue Mordfälle.

Bitte addieren Sie 1 und 8.
Zurück

Informationen

I am half-sick of shadows
Erscheinungsjahr: 2011
Ausgabe: Blanvalet, 2013
ISBN:  978-3-442-37901-9
Seiten: 315
Übersetzung: Gerald Jung und Katharina Orgaß
Sterne: 4/5

Speaking from Among the Bones
Erscheinungsjahr: 2011
Ausgabe: Blanvalet, 2014
ISBN:  978-3-442-37902-6
Seiten: 351
Übersetzung: Gerald Jung und Katharina Orgaß
Sterne: 5/5

The Dead to their vaulted Arches
Erscheinungsjahr: 2014
Ausgabe: Blanvalet, 2016
ISBN:  978-3-734-10077-2
Seiten: 317
Übersetzung: Gerald Jung und Katharina Orgaß
Sterne: 3/5