Das Licht

von T. C. Boyle

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Nachdem sich sowohl meine Arbeit an universitären Arbeiten, die großen Umräumpläne meiner Wohnung und die anderen Bücher, die ich gerade lese, hinziehen, habe ich an einem regnerischen Nachmittag und einigen U-Bahn-Fahrten, eine kleine Erzählsammlung dazwischen geschoben.

 

Tom Coraghessan Boyle wurde 1948 in schwierige Verhältnisse geboren. Nach einer mediokren Schulkarriere entdeckte er am College seine Liebe für die Literatur und arbeitete als Lehrer an einer Highschool, während er begann zu schreiben. 1977 promovierte er in englischer Literatur des 19. Jahrhunderts, seit 1986 unterrichtet er als Professor an der University of Southern California. Inzwischen hat er mehr als 100 Kurzgeschichten und sechzehn Romane veröffentlicht. Dieses Jahr folgte sein letzter Roman „Das Licht“.

„Er glaubte nicht an die Existenz Gottes, denn Gott erschien ihm nicht plausibel, und was er von einigen am Institut für Psychologie hörte, erschien ihm noch weniger plausibel."

Der Prolog beginnt mit einer Episode aus dem Leben des Schweizer Chemikers Albert Hofmann, dem Entdecker des LSDs und dem als Bicycle Day bekannten Tag des Selbstversuch mit LSD-25.

Danach folgt ein Zeitsprung in die 1960er-Jahre an die Harvard University. Die Forschergruppe um den amerikanischen Psychologen Timothy Leary wurde in den 60ern und 70ern für den freien und allgemeinen Zugang zu psychedelischen Drogen bekannt, von denen er sich Bewusstseinserweiternde Wirkungen versprach. Als Guru der Hippiebewegung, trägt er seine Doktoranden und Freunde nach und nach in die Drogenabhängigkeit. Ein Kult um ihn als Anführer und Lieferanten der Drogen entsteht und die Gruppe zieht sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück.

„Denn man brauchte nur den Deckel aufzuklappen, und da war die Pizza, ein perfekter Kreis in einem perfekten Quadrat, das Universum auf einem heißen Stück Teig.“

Aus der Sicht eines Doktoranden und seiner Familie gewährt Boyle den Einblick in den Drogenkult, der sich aufs Land in eine Kommune zurück zieht und dort der befreiten Sexualität, den Rauschmittel und dem Alkohol huldigt. Während diese Freiheit mehr und mehr zu einem Zwang wird, in dem die Gruppe mehr und mehr zu einer Sekte wird und die Probleme mit den Behörden zunehmen, zerbricht die Gruppe mehr und mehr innerhalb. Eifersucht zerstört die Polygamie, die ständigen Partys zerstören die Forschung, die mitgebrachten Kinder werden frühreif und vergnügen sich mit Drogen und Sex. Der Weg in die Illegalität zerstört nicht nur die Ehe und Familie von innen, sondern auch die Kommune zerbricht an äußeren Einwirkungen

„Das war keine Familie. Es war eine Handvoll Fremder, die nur eines einte, und zwar eine Droge, bloß eine Droge…“

Während der Einblick in die Hippie-Kultur der 60er Jahre lebendig und farbenfroh ist, hat der Roman keine Handlung, die wirklich fesselt oder unterhält. Auch Boyles sprachliche Gewalt will sich in „Das Licht“ leider nicht entfalten. Gerade im Vergleich zu „América“ oder „Watermusic“ zeigen sich deutliche Unterschiede.

„Das Licht“ ist ein Roman für Boyle-Fans und leichte Unterhaltung. Ein Must-Read ist es allerdings nicht.

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Informationen

Inside Looking Out
Erscheinungsjahr:
2019
Ausgabe: Hanser, 2019
ISBN: 978-3-446-26164-8
Seiten: 380
Übersetzung: Dirk van Gunsteren
Sterne: 3/5